So jetzt bin ich also schon ein Jahr auf der Welt und so aktiv, dass ich
meinen Eltern kaum noch Zeit lasse, mein Tagebuch ordentlich weiter zuführen.
Dabei gibt es so viel zu erzählen. Wie mein erster Geburtstag verlief, könnt
ihr Euch im Familienalbum anschauen. Die Bilder sagen mehr als jedes Wort!
Der entscheidende Monat in meinem 2. Lebensjahr war der Juli 2002:
Ich entschied mich nämlich meine durchaus ausgefeilte Sprache, die der
Erwachsenen anzupassen, da ich feststellen musste, dass die Erwachsenen ziemlich
unflexibel auf meine perfektionierten "Mama"- Variationen reagierten.
Und wie es sich für einen richtigen Kestenbaum gehört, war mein erstes Wort -
nein ich rede hier nicht von banalen Silben wie Mama und Papa, das Thema hatten
wir ja bereits im ersten Lebensjahr abgehandelt - mein erstes Wort war also
"A-u-t-o".
Ein Auto ist sehr wichtig, vor allem für Papa. Mama und Papa fahren mit mir
viel Auto, also lag es nahe, dieses Wort zu beherrschen, um ihnen mitzuteilen,
dass ich auch an ihrer Welt teilhaben möchte. Mein zweites Wort war
"Dy". Ok, ich gebe zu, dass "ein Dy" nicht so unbedingt für
jeden verständlich ist, aber es ist für Mama und Papa genauso wichtig wie
"ein Auto". "Ein Dy" steht für "ein Handy" und
damit kann ich wunderbar mit der "hma" und der "Baba"
telefonieren. Neben dem "Dy" gibt es auch noch ein "Tele",
das ist dann dasselbe nur zuhause mit Schnur. Eigentlich ist "ein Tele"
viel besser als "ein Dy", weil man da besser der Mama das "Tele"
abnehmen kann, um selbst zu telefonieren. Dann entschied ich mich noch für so
wichtige kleine Worte wie "an", "aus", "auf" und
"zu". Die sind sehr praktisch, um Mama und Papa den letzten Nerv zu
rauben: Licht "an", Licht "aus", Tür "auf", Tür
"zu". Und nicht zu vergessen: "Tita" (Uhr) und "Schlüssel".
"Ein Schlüssel" ist für "ein Auto" sehr wichtig!
Damit waren dann die wichtigsten technischen Worte gelernt und ich
fokussierte auf die Worte, die mein Überleben sicherten: "essen",
"tinken", "müde", "sitzen", "hunger"
und "(h)eiß". Zum Spielen brauche ich einen "Ball", wobei
das erlernen des "L's" mich doch ziemlich viel Übung gekostet hat.
Und "ein Baby" fand ich auch noch praktisch, weil ich mit meiner Puppe
so schön schmusen kann. "Ein Wu" ist alles, was vier Beine hat und
Katzen sind alle - genauer spezifizierte "Wu"s - "ein Tiga".
Das war also mein Wortschatz im Juli. Im August begann ich dann Worte
zusammenzusetzen, wie zum Beispiel "ein Auto da ist".
Was meine motorischen Fortschritte betraf, so klettere ich seit Ende Juli
alleine meinen Hochstuhl rauf und der Kinderwagen ist auch kein Hindernis mehr.
Eigentlich kann ich alles erklettern, wo ich meinen kleinen blauen Kinderstuhl
hintragen kann. Das macht Mamas Leben ja so viel spannender! *fg*
Ok, ich gebe zu, dass ich seitdem mir auch zwei Platzwunden zugezogen habe.
Aber damit habe ich mich ja nur in die Familienlinie meiner Mama eingereiht,
denn wir alle haben eine Narbe über der Augenbraue: "Tita-hma",
"Hma", Rolf, Mark, Mama und jetzt Ich!
Mittlerweile bin ich anderthalb Jahre alt und halte
meine Mapa (meine gewählte Kurzform für Mama und Papa) gut auf Trapp. Aber natürlich
habe ich extra für Euch auch noch ein paar Eckdaten notiert:
Am 22. September 2002 antworte ich auf die Frage "Wie heißt du,
Marlene?" - die Frage ist bescheuert, warum fragen sie mich das, wenn sie
meinen Namen doch kennen, aber so sind Erwachsene eben... *kopfschüttel* - zum
ersten Mal mit meinem selbstgewählten Spitznamen: Marli. Einige Wochen später
irritierte ich sie dann damit, dass ich auf dieselbe Frage mit
"Sophie" antwortete und grinste breit.
Das ist ja auch nicht falsch, schließlich heiße ich:
Marli Sophie Kebabaum
Seit Anfang Oktober zähle ich. Man kommt blendend mit ein paar
Zahlen aus: eins, zwei, drei -- und wenn ich Lust habe neun, acht. Die 4
ist eine unaussprechliche Zahl. Die werde ich boykottieren! Für was braucht man
schon eine 4?
Im Grunde spreche ich fast alles ziemlich ordentlich aus. Ok,
ich gebe zu, ich für hoch und runter gibt es nur das Wort "runter".
Ich kann zwar auch hoch sagen, aber wozu, wenn doch alle auch runter
reagieren??? Auch bilde ich den Satz "Auto da ist." nun richtig rum
und natürlich auch mit anderen Begriffen, z.B.: "Da ist ein Papa."
Soweit so gut, das ist ja alles nicht schwer. Aber wie sieht es
mit diesem Wort aus: Bumpi?
Wisst Ihr, was eine Bumpi ist? *g* Tia, das Wort für Insider und! ein sehr
wichtiges Wort, weil mit der Bumbi kann ich die Teletappies morgens um 9Uhr zum
Frühstück schauen. Na, herausgefunden, was die Bumpi ist? - Ihr könnt mir ja
mal mailen, falls ihr es wisst.
Was mich seit einigen Wochen sehr beschäftigt, ist die
Tatsache, dass Schafe Gras essen. Ich habe das Zeugs probiert, das schmeckt doch
gar nicht! Aber sie essen es, ich habe das genau beobachtet und die Omi hats mir
bestätigt. Schafe essen Gras. Unglaublich!
Soll ich Euch noch eine meiner Lieblingsgeschichten erzählen?
Also gut hier ganz in meinem Stil.
"Lüssel" -ich zeige auf den Schuhschrank, wo
Papas Schlüssel liegen und hole meine Tasche- "Jacke!" -ich
hole meine Jacke und Mama muss mir helfen sie anzuziehen- "Schuh!"
-ich hole meine Gummelstiefel, die kann ich nämlich selbst anziehen- "Auf!"
-ich stehe vor der Balkontür und schrei solange "auf" bis einer die Tür
aufmacht, dann gehe ich raus, spaziere über die Wiese, erst zum Sandkasten,
dann ganz langsam zum kleinen Gartentürchen, ich stecke den Schlüssel ins
Schloss und schließe auf, d.h. ich tue nur so, der Schlüssel passt eigentlich
gar nicht, aber das Türchen öffnet sich trotzdem- "Und tschüß!"
-ich verabschiede mich winkend, schließe die Tür hinter mir und gehe hinaus in
die weite Welt.-
Das war die Geschichte "Marlene geht aus".
Nun, mit der Bumpi lagt Ihr ja alle falsch.
Meine Bumpi liebe ich immer noch, aber mittlerweile kann ich Euch auch sagen für
was man die Bumpi braucht. Damit kann man den "Fernseher" an und
"dunkel machen". Und ich kann damit meine TeleTapies morgens um 9 Uhr
sehen.
Anfang Dezember fing ich an, Worte zusammenzusetzen: "Omi
und Opi nach Hause gefahren."
Weihnachten 2002 war total klasse. Ich durfte im
Kindergottesdienst mir eine richtig, brennende Kerze holen und diese dann ganz
alleine - ok, Papi lief neben mir, hat mich aber nicht anfassen dürfen! - zum
Altar bringen. Dort habe ich sie auch wie die großen Kinder ganz alleine
abgestellt. Darauf war ich ganz stolz. Ich weiß nur nicht, warum Mami sich
dabei eine Träne aus den Augen gewischt hat.
Ach ja und es gab im Januar mal wieder einen Check up! Was kam
dabei raus? Ich bin wieder mal unter - durchschnittlich klein vom Kopf und Körpergröße
her und über - durchschnittlich schwer. *hmpf* Aber eigentlich alles im
normalen Bereich. Aufgeweckt hat er mich genannt und motorisch gut entwickelt.
Als wäre das irgendetwas Neues!
Ab Ende Januar liebe ich die Frage: "Wo bist du?"
"Mami, wo bist du?" "Tiger, wo bist du?", es
klingt zwar am Anfang noch nach "Mami, spinnst du!", was mir
merkwürdige Gesichter beschert hat, aber bald kann ich es so deutlich sagen,
dass sie auch endlich verstehen, was ich meine.
Ich bin gewachsen! Es ist Februar und ich versuche die Türklinken
herunter zu drücken. Aber noch fehlt mir ein halber cm, dass ich genügend
Griff habe. Bald - BALD! - habe ich es geschafft:
Und zwar am 22. Februar 2003:
Ich überraschte meine "Mapas", in dem ich nicht nur die Tür das
erste Mal alleine öffnete, sondern auch alleine aus dem geschlossenen Kinderbett
stieg. Jetzt geht es nur noch ins Bett, wenn ich es will! Strike! -- --
Dachte ich. *seufz*
Im Schwimmen geht es jetzt wirklich klasse zu. Ich schwimme mit
Flossen und ohne Schwimmflügel mit Anschuppsen jetzt über einen Meter alleine
in Mamas Arme! Aber am liebsten singe ich mit Dani zusammen die
Schwimmbadlieder! Singen macht so viel Spass! Und Musikmachen auch, denn ich
kann den Kassettenrekorder nun endlich selbst bedienen.
Es gibt übrigens noch ein Wort, dessen Bedeutung ihr erraten könnt,
wenn ihr wollt: "Larleib" *grins*
Lösung: Stift.
Meinen 2. Geburtstag habe ich einfach nur genial gefeiert! Es
war auch mein Tauftag und wir sind morgens alle in den Familiengottestdienst von
Pfarrer Leschhorn gegangen. Die haben sich alle soviel Mühe mit mir gemacht.
Hanna und Katha haben mit ihren Freunden des Kinderchores für mich gesungen,
Christa hat die Geschichte von der kleinen Kastanie erzählt und mein
Lieblingspfarrer hat mich dabei auf dem Schoß gehabt. Ich durfte tanzen und
singen und ich wieder ganz vorne am Altar. Es wirklich toll und zum Schluss
standen alle zusammen um das Taufbecken. Ich habe meine Taufkerze ganz alleine
gehalten.
Danach ging es nach Hause und es waren ganz viele Kinder da. Wir haben den
ganzen Tag friedlich auf der gesamten Wiese gespielt. Es schien die Sonne und
unser Pfarrer hat sogar gegrillt. Die Kathleen ist auch vorbeigekommen und ich
habe ganz viele Geschenke bekommen. Onkel Michael hat mir einen Papierkopf mit
gebracht, da waren lauter Sachen drin, die er während seiner Reise durch Südamerika
für mich gesammelt hat. Und ganz viele Süßigkeiten waren da drin, die mir
Mama aber dann leider irgendwann versteckt hat. Ich habe viele Spielsachen
bekommen und auch sehr wertvolle Geschenke, die man - so sagt Mama - fürs Leben
hat: Was auch immer sie damit meint! Ich darf sie jedenfalls meistens nur
anschauen.
Tante Doris hat wieder ganz leckeren Geburtstagskuchen gebacken,
Teta Borka war für die Kinderplätzchen zuständig, Baba und Omi haben sich um
die Salate und das Fleisch gekümmert. Ohne meine Familie wäre das Fest nie so
schön geworden. Vielen, vielen Dank!
Ich habe bis 8 Uhr abends ausgehalten ohne zu schlafen und ich
habe den ganzen Tag gelacht und war sehr sehr glücklich. Meine letzten Worte an
diesem Tag waren auf dem Wickeltisch:
"Geburtstagsglück."