Ich feiere nach wie vor gerne und viel. Von daher reicht nicht
eine Geburtstagsfeier, sondern es müssen gleich ganz viele sein. Am besten eine
Geburtstagswoche, jeden Tag etwas Feiern - das ist doch der richtige Start ins
neue Lebensjahr!
Omi und Opa bekommen eine Welpe und ich darf sie mit aussuchen.
Ich bin schon ganz aus dem Häuschen. Wenn sie da ist, werde ich ihr
Kunststücke beibringen, darauf freue ich mich schon am meisten. Vielleicht
kommt sie mich auch mal in Gießen besuchen. Anfang Juni gehen wir sie aussuchen.
Im Juni 2006 bin ich voll und ganz im WM-Fieber. Dank Onkel
Michael habe ich ja auch ein T-Shirt von der deutschen Mannschaft und ich habe
mir eine Deutschlandfahne gekauft. Mit den passenden Streifen auf der Wange bin
ich dann für die Fußballspiele genau richtig gerüstet. "Ole, ole, ole..."
kann ich auch schon passend singen und beglücke damit meine Nachbarschaft - vor
allem, wenn Moritz passend dazu einsetzt.
Ich beschäftige mich zur Zeit mit meiner weiblichen Identität
und stelle immer wieder fest: Ein Mann zu sein, hat einfach seine Vorteile. So
gerne wäre ich ein Junge, aber wo nix ist, kommt nix mehr hin. *seufz* Mama
versucht mir ja das Frausein schmackhaft zu machen. Mitunter meinte sie, wir
Frauen hätten ja die Entscheidung darüber, ob wir ein Kind bekommen wollen
oder nicht. Der Mann wäre immer auf unsere Zustimmung angewiesen und könne
keine Kinder bekommen. Blöd nur, dass ich gar keine Kinder haben will und
überhaupt... ist das mit dem Penis und den Samen ja wie bei der Post. "Nur
wenn man den Brief in den Briefkasten wirft, kann man einen Brief bekommen."
Sprich: Ohne Brief, keine Post und ohne Mann, kein Kind... *seufz*
29. Juni 2006: Moritz ist in der Nacht zu mir ins Bett
geklettert und hat mir zusammen geschlafen. Das war schön!
Im Juli haben wir den Mann mit den weißen Mäusen besucht. Das
war total klasse. Ich durfte wieder Motorboot fahren und habe im Main gebadet.
Die Carlie, Omis Welpe, war auch dabei und ist sogar auch ins Wasser gesprungen.
Mehr unfreiwillig, weil sie Mama unbedingt folgen wollte. Aber stellt Euch vor,
sie konnte schwimmen! Jedenfalls war das ein ganz toller Tag und der Mann heißt
übrigens Hans.
Zur Zeit zähle ich meine letzten Tage als Pinguin, weil ab
September werde ich ein Eisbär. Ich komme nächstes Jahr nämlich in die Schule
und weil ich da schon groß bin, komme ich in die Gruppe, wo ganz viele
Schulkinder mitbetreut werden. Ich habe einen Kalender, auf den ich für jeden
Tag einen Stern klebe, damit ich weiß, wie viele Tage noch verbleiben. Meine
Freunde aus der Pinguingruppe sehe ich ja trotzdem noch, von daher ist das gar
nicht so schlimm.
Unser Bruder kommt ja jetzt auch bald. Ich mache mir schon so
meine Gedanken, wie das dann alles organisiert wird. Gehe ich wieder zur Omi,
kommt die Baba? Kann ein Baby auch nachts kommen und wohin gehen wir dann? Das
ist alles so schrecklich aufregend!
Der Michel ist da und ich bin jetzt eine richtig große
Schwester. Mama sagt, ich mache das ganz toll. Ich rede ganz leise mit ihm,
ungefähr so. "Och jooo. Es ist alles gut. Och jooo, mein Michel. Alles ist
gut." Das mag er ganz besonders. Und dann wiege ich ihn in meinen Armen und
streichele seinen Kopf. Er ist ja soo lieb.
"Ich möchte eine Eisbär sein...." *träller* Ja, es
ist soweit. Mein letztes Kindergartenjahr hat begonnen und ich gehöre jetzt zu
den großen. Genauso wie zu Hause. Frau von Niebelschütz - die
Kinderhausleiterin - hat mich gefragt, wie es mit Michel nachts wäre. Was soll
ich da schon groß sagen, ist ja auch völlig unwichtig, also gab's ne kurze
Antwort:
"Ganz gut." -- Pause -- "Er schläft ja auch im anderen
Zimmer." *g*
Aber mal ehrlich: Soweit ich weiß, läuft es wirklich ganz gut
mit ihm. Ein echter Kestenbaum schläft eben auch schnell "durch".
*stolz*
"Mama, obwohl ich mich auf die Eisbären gefreut habe,
finde ich es gar net so toll dort. Die Pinguine vermisse ich schon, aber ich
kann ja immer in den Pausen mit ihnen spielen." ... "Aber man kann ja
net erwarten, dass ich schon so schnell Freunde bei den Eisbären finde, ich bin
ja erst so kurz da. Das kommt bestimmt noch." So viel zum Thema
"Wie ein Pinguin ein Eisbär wurde..."
Stellt Euch vor, heute - 12. September 2006 - habe ich Post von
der Schule bekommen! Am 5. Oktober muss ich mit meinen Eltern zur Anmeldung. Ist
das nicht aufregend?! "Dann bin ich ein richtiges Vorschulkind, nicht
nur eins im Kindergarten."
Die Tests in der Schule und im Gesundheitsamt waren echt
Baby. Zuerst hatte ich ja ziemlichen Schiss, aber als Mama meinte, es wäre so was
Ähnliches wie bei die U9 beim Kinderarzt, hatte ich keine Angst mehr - da war's
dann langweilig. Warum die immer dasselbe fragen?
Mama hat endlich nachgegeben und Dank meiner Uromi und meinet
"Unteromi" kann ich ab dem 7. November 2006 zum Klavierspielen
gehen. Und Evelina ist auch ganz zufrieden mit mir. Ich übe sogar freiwillig -
noch! Nebenbei will ich jetzt endlich Lesenlernen und ich übe sogar
ausnahmsweise mal. Aber manchmal geht mir das einfach zu langsam oder Mama
verliert die Nerven, weil ich immer nach der ersten Silbe zu wissen glaube, was
da steht. Mein derzeitiges Hobby ist im Übrigen Puzzeln. Das macht mir richtig Spaß,
besonders das mit 200 Teilen.
Im Dezember hielt ich mich für besonders schlau und habe es
wohl darin etwas übertrieben. Auf alle Fälle haben die Erwachsenen über meine
"klugen" Sprüche gar nicht lachen können und ich erntete wenig
Zustimmung. Ich musste schließlich einsehen, dass es klüger ist, nachzugeben
und nicht immer zu sagen, was man denkt. Aber ich gestehe Euch auch ein, dass
mir das besonders schwer fällt.
Wie auch immer, das Jahr 2007 fängt bei mir sehr ereignisreich
an. Im Kindergarten habe ich angefangen, Gebärdensprache zu lernen und nerve
jetzt immer meine Eltern damit. Jetzt muss Mami auch mitüben, sonst versteht
sie ja gar nicht, was ich sage. *grins*
Zudem habe ich die Welt der Computerspiele für mich entdeckt
und gehe damit Papa auf die Nerven. Wenn Mama mit mir gebärdet, dann muss Papa
ja schließlich auch beschäftigt werden.
Im Februar habe ich mich auf ein verrücktes Projekt eingelassen
und besuche meine Grundschule für einige Wochen einfach so aus Spaß.
Verkleidet als ein Schulkind schaue ich mir den Unterricht an und bekomme auch
Hausaufgaben auf. Ich würde ja am liebsten dort bleiben, aber denen bin ich
noch einbißchen zu klein. Naja, spätestens im August werden sie mich nicht
mehr los. *ätsch*
Wer weiß, was das heißen soll: "Gut Bäseruk"?
Juhu! am 16. April 2007 werde ich eingeschult! Die haben mich
tatsächlich genommen und ich bleibe in der Klasse 1b von Herrn Thode. Ich bin
sooo glücklich!