Wenn ich Geburtstag habe, fängt draußen der Frühling an. Und
so war es auch dieses Jahr! Wir hatten herrliches Wetter und ich wurde den
ganzen Tag verwöhnt. Zuerst am Morgen im Kindergarten, wo ich meinen ersten
Geburtstag bei den Eisbären gefeiert habe. Das war eine Feierei, denn es hatten
gleich drei am selben Tag Geburtstag. Und nachmittags war es dann aber etwas
ruhiger, aber dennoch schön. Ich bin jedenfalls erschöpft auf Papas Arm
eingeschlafen.
Ansonsten tut mir der Kindergarten fast nur gut. Ok, es gibt so
neue Sätze wie "Du bist blöd, Mama.", die mir nicht gerade
Sympathien einhandeln, aber im Grunde bin ich wirklich glücklich, endlich mal
mein eigenes Ding durchziehen zu dürfen. Ich schlafe mittags im Kindergarten
und wenn ich aufwache, holt mich Mama meistens gleich ab. Das ist schön und
natürlich nehme ich Zottel mit, denn ohne Zottel kann ich natürlich keinen
Mittagsschlaf machen.
Die Eisbären nennen mich übrigens, den "ruhenden
Pol". Na, hab ich mich denen nicht klasse verkauft? *grins*
Am 24. April 2007 bin ich ein laufender Meter und meine
Sprachentwicklung macht endlich einen großen Sprung: Morgens überrasche ich
meine Mama mit "Ich hab dich sooo lieb." Und gerade als sie im
Schlaf anfängt zu lächeln und sowas wie "Ich dich auch.." murmelt,
sage ich: "Holst du mir Kakao und Pickup hoch?" Das nennt man
Humor und das gezielte einsetzen von Sprache!
Auch Rückschlüsse sind mir nicht mehr fremd:
Papa: "Ich habe schneller aufgegessen als du."
Moritz: "Ich bin langsamer. Moritz hat nicht
aufgegessen."
Ok, dass ich mich selbst immer noch mit Moritz anspreche,
passiert schon mal, aber nicht mehr sehr häufig und in den folgenden Monaten
hört das dann auch ganz auf.
Besonders interessant finde ich das Sortieren von Dingen: Ich
sortiere Familienmitglieder, meine Spielsachen, Dinge in "Habe ich, habe
ich nicht, aber auch Mülltonnen, die ich am Straßenrand sehe.
Der beste Spruch im Monat April: "Ich heiße Moritz Saumel
Kestenbaum und ich bin ein Mensch!" (13. April 2007)
Zum Sommer hin, komme ich mit meinen Entwicklungen etwas ins
Ungleichgewicht. Ich sabbere fiel, kann meine Kräfte nicht richtig
kontrollieren und bei kleinen Aufgaben fühle ich mich schnell überfordert. Ich
will gerne erzählen, aber bekomme die Worte nicht mehr so raus, wie ich es
gerne wollte. Fast glaube ich, mein Hirn hängt in einer Schleife fest. Ich
fühle mich in der Gruppe unwohl und brauche eine 1:1 Betreuung. Mama beantragt
eine Ergotherapie für mich und wir bekommen sie durch.
Anfang Juli findet das ganze dann seinen absoluten Höhepunkt
darin, dass ich im Löschteich der Ostgesamtschule unbedingt den Frosch auf dem
Seerosenblatt näher anschauen will und trotz der Warnungen meiner Schwester
prompt ins Wasser falle. Wieder einmal verdanke ich meiner Marlene mein Leben:
sie zieht mich raus und holt Hilfe, dass ich nach Hause gebracht werde. Wir
hatten uns heimlich einfach aus dem Staub gemacht. Aber das Ganze hat etwas
Gutes: Nun will ich endlich Schwimmen lernen!
Oktober ist dann ein ganz fürchterlicher Monat. Im Kindergarten
scheine ich im Schlaf so was wie epileptische Anfälle zu haben und nun wird
eine Mühle losgetreten. Ich bekomme EEGs gemacht und muss sogar eine Nacht zur
Überwachsung ins Krankenhaus. Das stresst mich total, obwohl ich im Krankenhaus
ganz tapfer bin und keinen Schmerz zeige. Aber die lassen mich da einfach
verhungern - man bekommt ein Schlafmittel beim Schlaf-EEG - und daher darf man
nichts Essen, weil der Bauch auch eingeschlafen ist. Ich bin wirklich am
Durchdrehen und Papa fastet vor lauter Mitleid mit. Es hilft alles nichts, wir
müssen trotzdem durchhalten. Am Ende bin ich zwar komplett fertig mit den
Nerven, aber gesund. Keine Epilepsie. Ich bin ganz schön erleichtert - und Mama
und Papa auch.
Und im November ist es dann soweit: Mit Fynn, Joni, Elias und
einem anderen Moritz gehen wir zu Michael in den Schwimmkurs. Innerhalb 2
Schwimmtagen nimmt mir Michael die Angst und ich nun bin ich eine richtige
Wasserratte. Ich tauche, hüpfe in Wasser und mit Omi übe ich regelmäßig
Schwimmen. Man merkt gar nicht mehr, was für eine Angst ich hatte.
Im Dezember werde ich zum Wilde Kerle - Fan und mein schönstes
Weihnachtsgeschenk ist ein T-Shirt von den wilden Kerlen und die passende
Müslischale. Habe ich jemals erwähnt, dass Müsli mein Leib- und
Seelen-Frühstück ist? (Neben Pickups natürlich....)
Das Faschingsfest 2008 ist dann das erste, was ich so richtig
miterlebe und ich stelle fest: Fastnacht ist mein Leben. Das ganze Jahr könnte
es Fastnacht sein. Verkleiden ist total cool.
Im Kindergarten habe ich meine erste Freundin: Sandra heißt sie
und ich bin ihr Prinz. Sie das absolute Gegenteil von meiner Schwester Marlene
und das ist auch gut so!